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Strompreis 2027 in Österreich: Abgabe, Netzentgelte und Großhandel

Elektrizitätsabgabe zurück auf 1,5 Cent, neue Netzentgelte nach ElWG, Großhandel auf Mehrjahreshoch: wer 2027 welchen Teil der Strom- und Gasrechnung festlegt und wann.

Österreichische Haushalte haben 2026 beim Strom von zwei Entlastungen profitiert: einer fast abgeschafften Elektrizitätsabgabe und kaum gestiegenen Netzentgelten. Für 2027 fällt die erste Entlastung nach heutigem Stand weg, die zweite wird neu verhandelt, und der Großhandel ist teurer geworden. Hier ist, was man Ende September 2026 weiß und was nicht.

Wer welchen Teil Ihrer Rechnung bestimmt

Der ORF fasst es so zusammen: Der reine Energiepreis macht etwa ein Drittel der Stromrechnung aus. Der Rest sind Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Jeder Teil hat einen anderen Absender:

BestandteilWer entscheidetWann
EnergiepreisIhr Lieferantlaufend, nach Vertrag
NetzentgelteE-Control per Verordnungmeist im Dezember für das Folgejahr
ElektrizitätsabgabeNationalratper Gesetz, 2026 befristet gesenkt
Erneuerbaren-Förderpauschale und -FörderbeitragVerordnungjährlich
UmsatzsteuerGesetzgeber20 %

Wie diese Posten auf Ihrer Jahresabrechnung heißen, zeigt unser Rechnungs-Check.

Elektrizitätsabgabe: zurück auf 1,5 Cent

Für 2026 wurde die Elektrizitätsabgabe für Privathaushalte von 1,5 auf 0,1 Cent pro kWh gesenkt, das ist das EU-Minimum. Für andere Stromlieferungen gilt 0,82 Cent. Die Änderung wurde am 23. Dezember 2025 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und gilt nur für das Kalenderjahr 2026. Laut Budgetdienst des Parlaments kostet die Maßnahme rund 520 Millionen Euro und wird über höhere Dividenden von Verbund, BIG und ÖBAG finanziert.

Rechnerisch geht es um 1,4 Cent pro kWh. Bei 3.500 kWh im Jahr sind das 49 € netto oder rund 59 € inklusive 20 % Umsatzsteuer. Wenn die Senkung nicht verlängert wird, kommt dieser Betrag 2027 wieder auf die Rechnung. In den Quellen, die wir geprüft haben, ist keine Verlängerung beschlossen. Das kann sich in der Budgetdebatte im Herbst ändern.

Netzentgelte: neue Struktur ab 2027

Die Stromnetzentgelte stiegen 2026 für Haushalte im Österreichschnitt nur um 1,3 %, rund 5 € im Jahr bei 3.500 kWh. Regional war das sehr unterschiedlich: Burgenland plus 15,9 %, Tirol plus 10,9 %, Salzburg rund minus 9 %. Beim Gas stiegen die Netzentgelte im Schnitt um 18,2 %, in Kärnten um 35 %.

Für 2027 gibt es noch keine Zahlen. Die E-Control hat im Dezember 2025 angekündigt, dass mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz für 2027 voraussichtlich eine neue Entgeltstruktur verordnet wird. Seit 2026 gilt bereits der Sommer-Netztarif, der Strom zwischen April und Oktober von 10 bis 16 Uhr im Netzentgelt um 20 % billiger macht. Wie hoch die Entgelte in Ihrem Netzgebiet 2027 werden, weiß man realistisch erst im Dezember.

Für Einspeiser ab 20 kW kommt ab 1. Jänner 2027 ein Versorgungsinfrastrukturbeitrag von höchstens 0,05 Cent pro eingespeister kWh. Für die meisten Hausanlagen gilt das nicht.

Energiepreis: der Großhandel ist teurer geworden

Die große Unbekannte ist wie immer der Energiepreis. Die Österreichische Energieagentur meldet für Oktober 2026 einen Strompreisindex von 191,08 € pro MWh, 92,2 % über dem Vorjahr. Wichtiger für 2027 ist der Jahresindex, der die Preise für Lieferungen im kommenden Jahr widerspiegelt: Er liegt bei 119,74 € pro MWh, 27,4 % höher als im Oktober 2025. Beim Gas liegt der Jahresindex bei 47,87 € pro MWh, 30,5 % über dem Vorjahr.

Die Lieferanten reagieren unterschiedlich. Der Verbund hat am 24. September seinen Neukundentarif erhöht und nennt den Konflikt im Nahen Osten als Grund. Die Energie Steiermark hat dagegen eine Preisgarantie bis Mai 2027 gegeben, EVN und Energie AG planen laut ORF derzeit keine Erhöhung. Wer bei welchem Versorger wie viel zahlen wird, hängt davon ab, wie dieser eingekauft hat und wie lange die Lage im Nahen Osten anhält. Eine seriöse Zahl für den Strompreis im Sommer 2027 gibt es nicht.

Gas 2027: Netz und Einkauf teurer

Beim Gas kommen zwei Entwicklungen zusammen. Die Netzentgelte sind schon 2026 im Schnitt um 18,2 % gestiegen, für einen Haushalt mit 15.000 kWh laut ORF um rund 142 € im Jahr. Der Grund ist strukturell: Österreich verbraucht weniger Gas, die Kosten für Betrieb, Wartung und Ausbau der Leitungen verteilen sich auf weniger Kilowattstunden. Solange der Verbrauch weiter sinkt, bleibt dieser Druck bestehen.

Dazu kommt der Großhandel. Der Gaspreisindex für den Winter 2026/27 liegt bei 54,97 € pro MWh, 44,2 % über dem Vorwinter, der Monatswert für Oktober mit 77,83 € erstmals seit Jänner 2023 über 70 €. Wer mit Gas heizt, sollte 2027 mit höheren Kosten planen, auch wenn niemand die genaue Höhe kennt.

Was das ElWG bei Preisänderungen ändert

Seit 24. Dezember 2025 dürfen Lieferanten Strompreise per Gesetz ändern, aber mit Regeln: Eine Erhöhung darf frühestens sechs Monate nach Lieferbeginn oder nach der letzten Anpassung wirken und muss im Verhältnis zum Anlass stehen. Sie haben vier Wochen ab Zustellung Zeit, zu widersprechen. Widersprechen Sie, endet der Vertrag spätestens drei Monate nach dem folgenden Monatsletzten, und Sie können in Ruhe wechseln. Fällt der Grund für eine Erhöhung weg, muss der Lieferant innerhalb von sechs Monaten wieder senken. Der Sozialtarif für einkommensschwache Haushalte (6 Cent netto für die ersten 2.900 kWh) gilt auch 2027 weiter, laut Parlament für rund 290.000 Haushalte.

Was Sie vor dem Jahreswechsel erledigen können

  1. Tarifart prüfen. Hängt Ihr Tarif an ÖSPI oder ÖGPI, kommt der Anstieg des Großhandels mit der nächsten Anpassung an. Ein Vergleich zeigt, was ein Fixpreis heute kostet.
  2. Laufzeit bewusst wählen. Ein Fixpreis über zwölf Monate schützt vor weiteren Sprüngen, lässt Ihnen aber die Tür offen, falls sich der Markt 2027 beruhigt.
  3. Preisbriefe lesen. Bei einer Erhöhung haben Sie vier Wochen Zeit, zu widersprechen. Nutzen Sie diese Zeit für einen Vergleich.
  4. Im Dezember nachrechnen. Wenn die E-Control die Netzentgelte 2027 veröffentlicht, steht der zweite große Block fest. Ein zweiter Tarifvergleich im Dezember ist sinnvoll.
  5. Anspruch auf den Sozialtarif prüfen. Sind Sie von der ORF-Beitragspflicht befreit, fragen Sie Ihren Lieferanten aktiv danach. Von selbst kommt er nicht.

Quellen

  1. Parlament, Budgetdienst: Senkung der Elektrizitätsabgabe 2026 (2025-12-12)
  2. EY Österreich: Senkung der Elektrizitätsabgabe in 2026 (2025-12-23)
  3. E-Control: Nur leicht steigende Stromnetzentgelte für 2026 (Presseinformation) (2025-12-18)
  4. help.ORF.at: Netzkosten 2026, Strom bleibt stabil, Gas wird deutlich teurer (2025-12-18)
  5. help.ORF.at: Verbund hebt Strompreis für Neukunden an (2026-09-24)
  6. Österreichische Energieagentur: Großhandelspreisindizes steigen im Oktober weiter deutlich (2026-09-23)
  7. Verbraucherrecht.at: Elektrizitätswirtschaftsgesetz stellt den Strommarkt auf neue Beine (2026-01-26)
  8. Parlamentskorrespondenz: Nationalrat beschließt Elektrizitätswirtschaftsgesetz (2025-12-12)

Fakten geprüft am 29. September 2026.

Häufige Fragen

Wird Strom 2027 in Österreich teurer?
Ein Teil steht fest: Läuft die Senkung der Elektrizitätsabgabe wie beschlossen Ende 2026 aus, steigt sie für Haushalte von 0,1 auf 1,5 Cent pro kWh. Die Netzentgelte legt die E-Control erst gegen Jahresende fest, und der Energiepreis hängt vom Großhandel ab, der im Herbst 2026 deutlich gestiegen ist.
Wie viel macht das Auslaufen der Elektrizitätsabgabe-Senkung aus?
Die Abgabe steigt dann um 1,4 Cent pro kWh. Bei 3.500 kWh im Jahr sind das 49 € netto oder rund 59 € inklusive Umsatzsteuer. Um diesen Betrag steigt die Rechnung 2027, wenn die Senkung nicht verlängert wird.
Wann veröffentlicht die E-Control die Netzentgelte 2027?
Die Netzentgelte für 2026 hat die E-Control am 18. Dezember 2025 bekannt gegeben. Für 2027 ist ein ähnlicher Zeitpunkt zu erwarten. Die E-Control hat angekündigt, dass mit dem neuen ElWG für 2027 voraussichtlich eine neue Entgeltstruktur kommt.