Energiekosten senken in Österreich: Was vor dem Winter 2026/27 zählt
Floater prüfen, Sozialtarif beantragen, Mittagsstrom nutzen, Gas sparsam einsetzen: was österreichischen Haushalten vor dem Winter 2026/27 wirklich Geld spart.
Der Winter 2026/27 dürfte für viele österreichische Haushalte teurer werden als der letzte. Die Österreichische Energieagentur meldet für Oktober einen Gaspreisindex, der mehr als doppelt so hoch ist wie vor einem Jahr, und die Gasnetzentgelte sind schon seit Jänner deutlich gestiegen. Beim Strom sieht es besser aus, zumindest bis Silvester. Die E-Control sagt es nüchtern: Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde bedeutet weniger finanzielle Belastung. Was sonst noch hilft, steht hier, vom Vertrag bis zum Heizkörper.
Zuerst der Tarif
Wer seit Jahren beim Landesversorger im Standardtarif ist, hat oft das größte Sparpotenzial und merkt es nicht. Die E-Control schreibt, dass sich beim Wechsel des Strom- und Gasanbieters „mehrere hundert Euro im Jahr“ sehr einfach einsparen lassen. Der Tarifkalkulator der E-Control zeigt alle Angebote an Ihrer Adresse, unser Tarifvergleich die Angebote unserer Partner. Wie der Wechsel funktioniert, steht in unserem Ratgeber zum Anbieterwechsel.
Wenn der Floater teurer wird
Hängt Ihr Tarif am Österreichischen Strompreisindex, spüren Sie den Großhandel direkt. Der ÖSPI für Oktober 2026 liegt mit 191,08 € pro MWh um 92,2 % über dem Vorjahreswert. Wie schnell das auf Ihrer Rechnung ankommt, hängt vom Vertrag ab: Manche Tarife passen monatlich an, andere quartalsweise. Schauen Sie in Ihre Vertragsbedingungen, welcher Index gilt und wann angepasst wird.
Ein Fixpreis kann in dieser Lage Ruhe bringen. Vergleichen Sie ihn aber mit dem, was Sie heute zahlen, bevor Sie sich binden. Eine Bindung darf übrigens höchstens ein Jahr dauern.
Sozialtarif und Elektrizitätsabgabe
Seit 1. April 2026 zahlen Haushalte, die von der ORF-Beitragspflicht befreit sind, für die ersten 2.900 kWh im Jahr 6 Cent pro kWh netto. Laut Parlament erhalten rund 290.000 Haushalte diesen Tarif, eine Mindestpensionistin spart rund 300 € im Jahr. Laut Parlamentskorrespondenz wurde der Kreis der Berechtigten im Gesetzgebungsverfahren auch auf Arbeitslose und Bezieherinnen und Bezieher von Notstandshilfe ausgeweitet. Die Kosten tragen die Lieferanten. Der Tarif kommt nicht von selbst: Fragen Sie Ihren Lieferanten danach und legen Sie den Befreiungsbescheid bei.
Die gesenkte Elektrizitätsabgabe wirkt dagegen automatisch. Für Privathaushalte wurde sie 2026 von 1,5 auf 0,1 Cent pro kWh gesenkt, allerdings nur bis Ende 2026. Was danach kommt, lesen Sie in unserem Ausblick auf 2027.
Strom zu Mittag
Seit Jänner 2026 gibt es den Sommer-Netztarif. Haushalte auf Netzebene 7 beziehen von April bis Oktober zwischen 10 und 16 Uhr Strom zu einem um 20 % niedrigeren Netz-Arbeitspreis. Wer kein Opt-in für den Smart Meter gewählt hat, muss das beim Netzbetreiber beantragen. Für den kommenden Sommer heißt das: Waschmaschine, Geschirrspüler, Boiler und E-Auto in die Mittagsstunden legen.
Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz werden Viertelstundenwerte zum Standard, und wer einen Smart Meter hat, kann eine monatliche Abrechnung verlangen. So sehen Sie früh, wenn der Verbrauch aus dem Ruder läuft, statt erst bei der Jahresabrechnung.
Seit 1. April 2026 haben Sie außerdem das Recht, zwischen dynamischem und fixem Energiepreis zu wählen. Dynamisch lohnt sich, wenn Sie Verbrauch wirklich verschieben können, etwa mit Wärmepumpe, Speicher oder E-Auto. Ohne diese Flexibilität tragen Sie nur das Risiko.
Wo der Strom im Haushalt hingeht, zeigt der Geräte-Rechner. Alte Kühlgeräte, Wäschetrockner, Heizlüfter und elektrische Warmwasserbereitung sind die üblichen Verdächtigen.
Beim Gas zählt jedes Grad
Die Gasnetzentgelte sind 2026 im Österreichschnitt um 18,2 % gestiegen, in Kärnten um 35 %, in Niederösterreich um 30,6 %, in der Steiermark um 27,7 %. Für einen Haushalt mit 15.000 kWh macht das laut ORF rund 142 € im Jahr aus, bevor der Energiepreis selbst steigt. Der Grund: Es wird insgesamt weniger Gas verbraucht, die fixen Netzkosten verteilen sich auf weniger Kilowattstunden.
Heizkörper entlüften, Thermostatventile nutzen und die Vorlauftemperatur vom Installateur prüfen lassen kosten wenig. Eine Gastherme sollte vor dem Winter zum Service, bevor sie im Jänner ausfällt. Lüften Sie kurz und kräftig statt stundenlang mit gekipptem Fenster, und halten Sie Türen zu Räumen geschlossen, die Sie weniger heizen.
Förderungen: Bund zu, Länder fragen
Die Bundesförderungen sind heuer schnell ausgelaufen. Der Sanierungsbonus wurde am 2. Februar 2026 gestoppt, beim Kesseltausch war das Budget von 360 Millionen Euro im Juli ausgeschöpft. Bereits eingereichte Anträge werden weiter bearbeitet. Fragen Sie bei Ihrem Bundesland nach Landesförderungen. Ob sich eine Wärmepumpe bei Ihnen rechnet, schätzt unser Wärmepumpen-Rechner.
Sonnenstrom selbst nutzen und teilen
Bei einer PV-Anlage spart der selbst genutzte Strom den vollen Preis inklusive Netz, die Einspeisevergütung schwankt dagegen stark. Alles zu Förderung und neuen Regeln im Photovoltaik-Ratgeber, den Ertrag schätzt der Solarrechner.
Mit dem ElWG wird auch das Teilen einfacher: Ab 1. Oktober 2026 sind Peer-to-Peer-Vereinbarungen möglich, ohne dafür einen Verein oder eine Genossenschaft gründen zu müssen. Fragen Sie in Ihrer Gemeinde, ob es eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft gibt.
Was fix bleibt
Netzentgelte, Abgaben und die Umsatzsteuer zahlen alle, egal bei welchem Lieferanten. Beim Strom sind die Netzentgelte 2026 im Schnitt nur um 1,3 % gestiegen, rund 5 € im Jahr für 3.500 kWh. Regional sieht das anders aus: Laut ORF stiegen sie im Burgenland um 15,9 %, in Tirol um 10,9 % und in Niederösterreich um 6,9 %, während sie in Salzburg um rund 9 % sanken und in Wien, Kärnten, der Steiermark und Vorarlberg leicht zurückgingen. Den Energiepreis und Ihren Verbrauch beeinflussen Sie selbst. Wenn Sie heute nur eines tun: Holen Sie die letzte Jahresabrechnung heraus und schauen Sie, welcher Energiepreis darauf steht.
Quellen
- E-Control: Nur leicht steigende Stromnetzentgelte für 2026 (Presseinformation) (2025-12-18)
- help.ORF.at: Netzkosten 2026, Strom bleibt stabil, Gas wird deutlich teurer (2025-12-18)
- Verbraucherrecht.at: Elektrizitätswirtschaftsgesetz stellt den Strommarkt auf neue Beine (2026-01-26)
- Parlament, Budgetdienst: Senkung der Elektrizitätsabgabe 2026 (2025-12-12)
- Parlamentskorrespondenz: Nationalrat beschließt Elektrizitätswirtschaftsgesetz (2025-12-12)
- Sanierungsoffensive des Bundes: Kesseltausch und Sanierungsbonus (2026-07-10)
- E-Control: 420.904 Strom- und Gaslieferantenwechsel im Jahr 2025 (2026-02-04)
- E-Control: Weiterer Anstieg beim Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten (2026-05-13)
- Österreichische Energieagentur: Großhandelspreisindizes steigen im Oktober weiter deutlich (2026-09-23)
Fakten geprüft am 29. September 2026.