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Strompreis in Österreich im Herbst 2026: Index, Verbund, Wechselrekord

ÖSPI fast doppelt so hoch wie vor einem Jahr, Verbund verteuert Neukundentarif, Wechselrekord, Förderstopp beim Kesseltausch: was das für Ihre Rechnung heißt.

Seit dem Frühjahr kommen die Nachrichten vom Energiemarkt in Österreich aus zwei Richtungen. Der Staat entlastet beim Strom mit niedrigerer Elektrizitätsabgabe und neuem Sozialtarif, gleichzeitig treibt die Lage im Nahen Osten die Großhandelspreise nach oben. Wir beginnen mit dem, was gerade am stärksten auf die Tarife drückt, und gehen dann zurück ins Frühjahr.

Der Großhandel zieht kräftig an

Am 23. September hat die Österreichische Energieagentur die Preisindizes für Oktober veröffentlicht. Der Strompreisindex ÖSPI liegt im Monat bei 191,08 € pro MWh, 29,8 % über dem Vormonat und 92,2 % über dem Oktober 2025. Der Gaspreisindex ÖGPI steigt auf 77,83 € pro MWh, 125,3 % über dem Vorjahr und erstmals seit Jänner 2023 über 70 €. Für das ganze Winterhalbjahr 2026/27 liegt der Gasindex bei 54,97 € pro MWh, 44,2 % über dem Vorwinter.

Auch die längerfristigen Indizes sind gestiegen. Der Quartalsindex für Strom liegt bei 174,31 € pro MWh, der Jahresindex bei 119,74 €, 27,4 % mehr als vor einem Jahr. Dieser Jahreswert ist für Fixpreis-Angebote wichtig, weil er die Großhandelspreise für Lieferungen im kommenden Jahr widerspiegelt.

Haben Sie einen Floater, der an ÖSPI oder ÖGPI gekoppelt ist, wird die nächste Anpassung mit großer Wahrscheinlichkeit teurer. Schauen Sie in Ihren Vertrag, wann angepasst wird.

Verbund verteuert den Neukundentarif

Einen Tag später, am 24. September, hob der Verbund den Österreich-Tarif für Neukunden an. Im ersten Vertragsjahr steigt der Energiepreis von 9,5 auf 10 Cent pro kWh netto (12 Cent brutto), ab dem zweiten Jahr von 12,5 auf 15 Cent netto. Die Grundpauschale bleibt bei 4,20 € netto im Monat. Bestandskunden sind laut Verbund nicht betroffen, als Grund nennt das Unternehmen den Konflikt im Nahen Osten. EVN, Energie AG Oberösterreich und Energie Steiermark planen laut ORF derzeit keine Erhöhung.

Zur Einordnung: Der reine Energiepreis macht nur etwa ein Drittel der Stromrechnung aus, der Rest sind Netzentgelte, Steuern und Abgaben. Die Neukundenpreise ziehen also an, aber ob es in drei Monaten noch teurer ist, kann niemand garantieren.

So viele Wechsel wie nie

Viele Haushalte haben offenbar nicht abgewartet. Die E-Control meldete am 13. Mai für das erste Quartal 137.479 Anbieterwechsel, die höchste Zahl, die je in einem ersten Quartal gemessen wurde. Als Grund nannte die Behörde den Iran-Krieg, mögliche Auswirkungen auf die Gasversorgung und die Angst vor steigenden Preisen. Beim Strom wechselten 86.024 Haushalte, beim Gas 23.299. Niederösterreich lag beim Strom vorne (2,5 %), beim Gas die Steiermark mit 3,6 %.

Am 6. August folgte die Halbjahresbilanz: 234.982 Strom- und Gaskundinnen und -kunden, mehr als je zuvor in einem Halbjahr. Der bisherige Rekord stammte aus 2019 mit rund 219.000. Beim Strom waren 152.459 der Wechsler Haushalte, beim Gas 42.387. E-Control-Vorstand Michael Strebl sagte dazu, ein Preisvergleich zahle sich jedenfalls aus. Niederösterreich lag beim Strom mit 4,8 % vorne, Tirol mit 0,8 % hinten.

Der Wechsel ist für viele also längst Routine. Wie er abläuft und welche Fristen gelten, erklärt unser Ratgeber zum Anbieterwechsel.

Energie Steiermark geht den anderen Weg

Dass Landesversorger sehr unterschiedlich eingekauft haben, zeigte sich im Juni. Die Energie Steiermark senkte ihre Tarife um 17 % und gibt eine Preisgarantie bis Mai 2027, obwohl auch sie höhere Einkaufskosten meldet. Zum Vergleich nennt der ORF die Größenordnungen: Vor der Krise 2020 und 2021 lagen die Energiepreise bei 5 bis 7 Cent pro kWh, nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verlangten manche Anbieter von Neukunden über 40 Cent. Wer eine Preisgarantie hat, sollte deren Enddatum kennen.

Förderstopp beim Kesseltausch

Auf der Seite der Sanierungsoffensive des Bundes steht mit Stand 10. Juli 2026: Beim Kesseltausch ist das Budget von 360 Millionen Euro für 2026 ausgeschöpft, neue Registrierungen sind nicht mehr möglich. Der Sanierungsbonus war schon am 2. Februar 2026 gestoppt worden. Bereits eingereichte Anträge werden weiter bearbeitet. Wer heuer die Gasheizung tauschen wollte, kann derzeit nur auf Landesförderungen hoffen. Was ohne Heizungstausch geht, zeigen unsere Spartipps.

Seit April: Sozialtarif und Wahlrecht

Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz traten am 1. April zwei Neuerungen in Kraft. Haushalte, die von der ORF-Beitragspflicht befreit sind, zahlen für die ersten 2.900 kWh im Jahr 6 Cent pro kWh netto. Wer Anspruch hat, muss aktiv beim Lieferanten nachfragen. Außerdem haben alle Kundinnen und Kunden das Recht, zwischen einem dynamischen und einem Fixpreis-Tarif zu wählen.

Einen Tag davor, am 31. März, endete das Bundesprogramm E-Mobilität 2025. Neue Registrierungen für E-Auto- oder Wallbox-Förderungen sind seither nicht mehr möglich.

Was im Oktober und zum Jahreswechsel ansteht

Ab 1. Oktober erlaubt das ElWG Peer-to-Peer-Stromteilen ohne eigene Rechtsperson. Am 8. Oktober startet der dritte Fördercall für PV-Anlagen, mehr im Photovoltaik-Ratgeber. Mit Jahresende läuft die gesenkte Elektrizitätsabgabe von 0,1 Cent pro kWh für Haushalte aus. Die Senkung kostet laut Budgetdienst des Parlaments rund 520 Millionen Euro und wird über höhere Dividenden von Verbund, BIG und ÖBAG finanziert. In den Quellen, die wir geprüft haben, ist bisher keine Verlängerung beschlossen. Was das für 2027 bedeutet, steht im Ausblick auf 2027. Wo Ihr eigener Tarif im Vergleich steht, sehen Sie im Tarifvergleich oder im Tarifkalkulator der E-Control.

Quellen

  1. Verbraucherrecht.at: Elektrizitätswirtschaftsgesetz stellt den Strommarkt auf neue Beine (2026-01-26)
  2. ÖAMTC: Förderungen von E-Fahrzeugen für Privatpersonen in Österreich (2026-09-28)
  3. E-Control: Weiterer Anstieg beim Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten (2026-05-13)
  4. Sanierungsoffensive des Bundes: Kesseltausch und Sanierungsbonus (2026-07-10)
  5. E-Control: Rekord beim Wechsel des Strom- oder Gaslieferanten im ersten Halbjahr (2026-08-06)
  6. Österreichische Energieagentur: Großhandelspreisindizes steigen im Oktober weiter deutlich (2026-09-23)
  7. help.ORF.at: Verbund hebt Strompreis für Neukunden an (2026-09-24)
  8. Parlament, Budgetdienst: Senkung der Elektrizitätsabgabe 2026 (2025-12-12)

Fakten geprüft am 29. September 2026.

Häufige Fragen

Werden Strom und Gas in Österreich diesen Winter teurer?
Für Neukunden bei einzelnen Anbietern bereits jetzt: Der Verbund hat seinen Österreich-Tarif für Neukunden am 24. September angehoben. Die Großhandelsindizes für Oktober liegen bei Strom um 92 %, bei Gas um 125 % über dem Vorjahr. Wie stark das bei Bestandskunden ankommt, hängt vom Vertrag und vom Einkauf des Lieferanten ab.
Was ist der ÖSPI?
Der Österreichische Strompreisindex der Österreichischen Energieagentur bildet die Großhandelspreise ab. Viele variable Tarife sind an ihn gekoppelt. Für Oktober 2026 liegt der Monatsindex bei 191,08 € pro MWh.