Heizkosten sparen im Winter 2026/27: Was wirklich Geld bringt
Gasspeicher niedrig, Preise hoch: wo deutsche Haushalte vor dem Winter 2026/27 am meisten sparen, vom Tarif über das Thermostat bis zu § 14a und KfW-Zuschuss.
Der Herbst ist in Deutschland die Zeit der Abschlagsbriefe. Beim Gas steht 2026 mehr auf dem Spiel als in den Vorjahren: Laut Verivox hat der Angriff der USA auf den Iran die Beschaffungskosten der Versorger zeitweise fast verdoppelt, und die Bundesnetzagentur meldet am 28. September einen Speicherstand von 57,4 %, deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Die Versorgung gilt als sicher. Teuer bleibt es trotzdem, und deshalb lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, wo das Geld tatsächlich liegt. Die Reihenfolge unten folgt dem, was in einem typischen Haushalt am meisten bringt.
Zahlen Sie noch den Grundversorgungstarif?
Dann liegt hier fast immer der größte Betrag. In die Grundversorgung rutscht, wer nie selbst einen Tarif gewählt hat. Verivox rechnet für 4.000 kWh Strom im Jahr ein Beispiel aus Pirmasens vor: 1.904,95 € in der Grundversorgung, 1.016,15 € im günstigsten Neukundentarif. Beim Gas zeigt das Portal für 20.000 kWh in Heidelberg einen Abstand von rund 1.295 € im ersten Jahr, einschließlich Bonus. Neukunden zahlen für Gas Ende September rund 12 Cent pro kWh.
Kündigen können Sie die Grundversorgung jederzeit mit zwei Wochen Frist, eine E-Mail reicht. Nehmen Sie für den Tarifvergleich Ihren echten Verbrauch aus der letzten Abrechnung, keine Schätzung, und schauen Sie auf den Preis ohne Neukundenbonus. Den zahlen Sie ab dem zweiten Jahr. Wie der Wechsel Schritt für Schritt läuft, steht in unserem Ratgeber zum Anbieterwechsel.
Liegt ein Preiserhöhungsschreiben auf dem Tisch, gilt dasselbe. Sie können ohne Frist zum Tag der Erhöhung kündigen. Das ist der Moment für einen neuen Vergleich, nicht die nächste Jahresabrechnung.
Wo die Heizung Geld verschluckt
Im Gaspreis steckt der nationale CO2-Preis, 2026 in einem gesetzlichen Korridor von 55 bis 65 € pro Tonne. Verivox beziffert ihn für 20.000 kWh auf rund 280 € im Jahr. Jede Kilowattstunde, die Sie nicht verheizen, spart diesen Anteil mit.
Die billigsten Maßnahmen sind die langweiligen. Programmierbare Thermostate, eine Nachtabsenkung und geschlossene Türen zu kühlen Räumen kosten fast nichts. In vielen Mietwohnungen mit Gasetagenheizung ist das Thermostat am Heizkörper der einzige Regler, den Sie haben, und er wirkt. Eine höhere Stufe heizt den Raum übrigens nicht schneller auf, das Ventil regelt nur später ab. Wer morgens auf 5 dreht und es vergisst, heizt bis zum Abend ein leeres Zimmer.
Gluckert es in den Heizkörpern, lassen Sie sie entlüften. Werden einzelne Heizkörper nie richtig warm, fragen Sie Ihren Heizungsbauer nach einem hydraulischen Abgleich.
Lohnt sich jetzt der Heizungstausch?
Wenn der alte Kessel ohnehin am Ende ist, lohnt zumindest die Rechnung. Die KfW fördert den Umstieg auf eine Wärmepumpe oder andere klimafreundliche Heizungen im Programm 458 mit einer Grundförderung von 30 %, dazu kommen ein Klimageschwindigkeitsbonus und ein Einkommensbonus. Förderfähig sind beim Einfamilienhaus bis zu 28.000 €. Laut KfW sinkt der Klimageschwindigkeitsbonus ab dem 1. Februar 2027 schrittweise, wer tauschen will, sollte also nicht bis zum Frühjahr warten. Eine erste Einschätzung für Ihr Haus liefert unser Wärmepumpen-Rechner.
Wer schon eine Wärmepumpe oder Wallbox hat, sollte § 14a EnWG kennen. Melden Sie das Gerät als steuerbar an, darf der Netzbetreiber die Leistung im Notfall kurz auf 4,2 kW drosseln, und Sie zahlen dafür weniger Netzentgelt. Modul 1 ist eine Pauschale, deren Höhe im Preisblatt Ihres Netzbetreibers steht. Bei Modul 2 zahlen Sie für einen getrennt gemessenen Verbrauch nur 40 % des Netz-Arbeitspreises. Seit April 2025 gibt es zusätzlich zeitvariable Netzentgelte (Modul 3). Nicht jeder Netzbetreiber setzt das sauber um, die Bundesnetzagentur hat im Mai 2026 Verfahren eröffnet und zwei Netzbetreibern Zwangsgelder angedroht. Fehlt die Reduzierung auf Ihrer Rechnung, fragen Sie nach.
Welche Geräte den Strom fressen
Alte Kühl- und Gefriergeräte, Wäschetrockner, elektrische Warmwasserbereitung und Geräte im Dauer-Standby treiben den Verbrauch. Mit dem Geräte-Rechner sehen Sie, was ein Gerät pro Jahr kostet, wenn Sie Leistung und Nutzungsdauer eingeben.
Ordnen Sie dabei den eigenen Verbrauch realistisch ein. Vergleichsportale rechnen oft mit 4.000 kWh, das entspricht etwa drei Personen. Verivox nimmt für einen Single-Haushalt 1.500 kWh an, für ein Paar 2.800 kWh. Liegen Sie deutlich darüber, lohnt die Suche nach dem Grund.
Ein dynamischer Tarif, der Börsenpreise stundenweise weitergibt, lohnt sich vor allem mit Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher, die Sie in billige Stunden verschieben können. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem, und davon hatten Ende Juni 2026 laut Bundesnetzagentur erst 5,9 % aller Messstellen eines.
Selbst erzeugen: vom Balkon bis zum Dach
Ein Balkonkraftwerk ist der kleinste Einstieg. Erlaubt sind bis zu 800 W Wechselrichterleistung und 2.000 Wp Modulleistung. Die Verbraucherzentrale nennt 300 bis 500 € für Standardgeräte und rund 400 kWh Ertrag im Jahr für ein 400-Wp-Modul in optimaler Südausrichtung. Anmelden müssen Sie es nur im Marktstammdatenregister. Vermieter dürfen die Zustimmung nicht allein aus optischen Gründen verweigern.
Wer ein eigenes Dach hat, spart mit selbst verbrauchtem Solarstrom deutlich mehr, als die Einspeisung einbringt. Zu Kosten, Vergütung und dem Stichtag 31. Dezember 2026 lesen Sie mehr im Photovoltaik-Ratgeber.
Seit Juni 2026 gibt es außerdem Energy Sharing (§ 42c EnWG): Nachbarn, Hausgemeinschaften oder Freunde können Solarstrom aus einer Anlage im selben Netzgebiet gemeinsam nutzen. Ab 2028 sollen auch angrenzende Netzgebiete möglich sein. Die restliche Strommenge liefert weiter Ihr normaler Anbieter, und alle Beteiligten brauchen einen Smart Meter.
Was Sie nicht beeinflussen können
Netzentgelte, Stromsteuer und Umlagen zahlt jeder, egal bei welchem Anbieter. Bei den Netzentgelten hilft 2026 ein Bundeszuschuss, der 2027 kleiner ausfällt. Was das bedeutet, erklären wir im Ausblick auf 2027. Ihr Verbrauch und der Energiepreis Ihres Tarifs dagegen liegen bei Ihnen. Fangen Sie heute Abend mit dem Heizkörperthermostat an und am Wochenende mit der letzten Jahresabrechnung.
Quellen
- Verivox: Strompreise aktuell (2026-09-25)
- Verivox: Gaspreisentwicklung (2026-09-25)
- Bundesnetzagentur: Steuerbare Verbrauchseinrichtungen (§ 14a EnWG) (2026-09-28)
- Bundesnetzagentur: Halbjährliche Erhebung im Messwesen (2026-09-21)
- Verbraucherzentrale: FAQ zu Steckersolar-Geräten (2026-03-06)
- KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen (458) (2026-09-28)
- Verbraucherzentrale: Energy Sharing 2026 (2026-09-28)
- Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung (2026-09-28)
Fakten geprüft am 29. September 2026.