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Energiepreise aktuell: Gas, Strom und Sprit im Herbst 2026, was Haushalte wissen müssen

Gaspreis nach dem Nahost-Schock, Rekord beim Sprit, § 14a-Streit mit Netzbetreibern, Netzentgelte 2027 und Gasspeicher bei 57 %: was das für Ihre Rechnung heißt.

Seit dem Frühjahr bestimmt vor allem ein Ereignis weit weg von Deutschland, was Heizen und Tanken kosten. Dazu kommen Entscheidungen in Bonn und Berlin, die sich erst 2027 auf der Rechnung zeigen. Hier die wichtigsten Ereignisse der letzten sechs Monate in zeitlicher Reihenfolge, jeweils mit dem, was sie für Ihren Geldbeutel bedeuten.

7. April 2026: Diesel so teuer wie nie

Der ADAC verzeichnete am 7. April 2026 mit 2,446 € pro Liter den teuersten Tag für Diesel seit Beginn seiner Aufzeichnungen. Hintergrund ist der Konflikt im Nahen Osten. Verivox beschreibt, wie der Angriff der USA auf den Iran auch am Gasmarkt die Richtung drehte: Die Beschaffungskosten der Versorger haben sich zeitweise fast verdoppelt, nachdem Förderung und Transportwege gestört waren. Im August erreichte Super E10 mit 2,145 € pro Liter im Monatsdurchschnitt ein neues Allzeithoch.

Beim Gas kommt die Welle mit Verzögerung an, weil viele Versorger langfristig einkaufen. Neukunden zahlen laut Verivox Ende September rund 12 Cent pro kWh. Kennen Sie das Enddatum Ihrer Preisgarantie? Dann wissen Sie auch, wann die Welle Sie erreichen kann. Am teuersten ist es in der Grundversorgung. Verivox rechnet für 20.000 kWh im Jahr ein Beispiel aus Heidelberg vor: 3.686,76 € im Grundversorgungstarif gegenüber 2.392,25 € im günstigsten Tarif, dieser Wert gilt fürs erste Jahr und enthält einen Bonus. Rund 280 € der Gasrechnung entfallen 2026 auf den CO2-Preis, der in einem Korridor von 55 bis 65 € pro Tonne liegt. Für Pendler mit Verbrenner bleibt der Spritpreis die größere Last. Wer ohnehin über ein Elektroauto nachdenkt, findet die Rechnung in unserem Ratgeber zum Laden zu Hause.

28. Mai 2026: Ärger um die § 14a-Rabatte

Wer eine Wallbox oder Wärmepumpe steuerbar anmeldet, hat Anspruch auf reduzierte Netzentgelte. Die Bundesnetzagentur meldete am 28. Mai, dass nicht alle Netzbetreiber das umsetzen. Zwei Netzbetreibern hat die Behörde Zwangsgelder angedroht, weitere Verfahren laufen. Bis zum 30. September 2026 müssen die Mängel behoben sein.

Die Reduzierung ist kein Entgegenkommen des Netzbetreibers, sondern ein Anspruch, den die Bundesnetzagentur seit 2024 festgelegt hat. Fehlt sie auf Ihrer nächsten Abrechnung, fragen Sie beim Netzbetreiber nach. Seit April 2025 kommen zeitvariable Netzentgelte hinzu, die Laden und Heizen in ruhigen Stunden billiger machen.

27. Juli 2026: Netzentgelte 2027 werden etwas teurer

Laut Regierungsentwurf zum Klima- und Transformationsfonds soll der Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten 2027 sinken. Verivox hat für t-online die Folgen geschätzt: rund 12 € Mehrkosten im Jahr bei 4.000 kWh, rund 8 € bei 2.800 kWh und rund 5 € bei 1.500 kWh. Das entspricht etwa 1 % auf den durchschnittlichen Strompreis. Überschaubar, aber es summiert sich mit anderen Posten. Die vorläufigen Netzentgelte für 2027 müssen die Netzbetreiber bis zum 15. Oktober 2026 veröffentlichen, erst dann lässt sich für Ihr Netzgebiet genauer rechnen.

6. August 2026: Konsultation zur Netzentgelt-Reform AgNes

Die Bundesnetzagentur hat ihre Reform der Stromnetzentgelte in die öffentliche Konsultation gegeben, Stellungnahmen waren bis 18. September möglich. Es geht um die Verteilung von rund 37 Milliarden Euro Netzkosten im Jahr. Netzentgelte machen etwa 30 % der Stromkosten eines Haushalts aus. Die Festlegung soll Ende 2026 kommen, gelten soll das neue System ab dem 1. Januar 2029. Nach den Überlegungen vom Mai sollen Haushalte mit eigener Solaranlage einen höheren Grundpreis zahlen.

Kurzfristig ändert sich nichts. Wer eine Solaranlage plant, sollte aber wissen, dass sich die Spielregeln für Prosumer ab 2029 ändern können. Mehr dazu im Photovoltaik-Ratgeber.

3. September 2026: Zuschuss bis 2029 festgelegt

Die Bundesregierung bestätigt: Nach 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 fließen 2027 bis 2029 jeweils 5,525 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds in die Übertragungsnetzentgelte. Für 2026 beziffert die Regierung die Entlastung für einen Haushalt mit 3.500 kWh auf rund 100 €, zusammen mit der abgeschafften Gasspeicherumlage im Schnitt auf rund 160 €. Die Entlastung bleibt also, fällt ab 2027 aber kleiner aus.

Eine Enttäuschung für viele: Die Senkung der Stromsteuer auf das EU-Minimum gilt seit Januar 2026 nur für rund 600.000 produzierende Unternehmen und die Landwirtschaft. Haushalte zahlen den normalen Satz weiter.

21. September 2026: Smart-Meter-Einbau kommt langsam voran

Ende Juni 2026 hatten laut Bundesnetzagentur 3,17 Millionen von rund 54 Millionen Messstellen ein intelligentes Messsystem, das sind 5,9 %. Im ersten Halbjahr kamen rund 765.000 hinzu. Bis 2032 sollen 90 % der Pflichteinbaufälle ausgestattet sein. Dynamische Tarife und zeitvariable Netzentgelte setzen ein Smart Meter voraus. Mit Wärmepumpe, Wallbox oder Speicher lohnt eine Nachfrage beim Messstellenbetreiber, wann Sie an der Reihe sind.

28. September 2026: Gasspeicher bei 57 Prozent

Am 28. September lagen die deutschen Gasspeicher bei 57,4 % oder 142 TWh. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren zur selben Zeit, seit dem 1. Juli 2025 gilt weiter die Frühwarnstufe. Die Bundesnetzagentur nennt die Versorgung trotzdem stabil und gesichert, weil genug Gas über Pipelines und LNG-Terminals ins Land kommt. Sie schreibt aber auch, dass ein vergleichsweise niedriger Füllstand am Ende des Winters wahrscheinlich ist, und rät wegen des hohen Preisniveaus zu sparsamem Verbrauch.

Ihre Heizkosten bestimmt in diesem Winter also vor allem der Preis, nicht die Frage, ob genug Gas da ist. Wie Sie am Verbrauch drehen, steht in unseren Tipps zum Heizkosten sparen.

Was Sie selbst in der Hand haben

Gasmarkt, Bundeshaushalt und die Regeln der Bundesnetzagentur können Sie nicht beeinflussen. Ihren Tarif und den Zeitpunkt, zu dem Sie ihn festlegen, schon. Wer im Herbst eine Preisgarantie für zwölf oder 24 Monate abschließt, sichert sich die aktuellen Konditionen, verzichtet aber auf mögliche Senkungen. Stecken Sie noch in der Grundversorgung, ist ein Tarifvergleich der erste Schritt. Wie es bei den Strompreisen 2027 weitergeht, lesen Sie in unserem Ausblick.

Quellen

  1. ADAC: Kraftstoffpreisentwicklung (2026-09-28)
  2. Verivox: Gaspreisentwicklung (2026-09-25)
  3. Bundesnetzagentur: Verfahren wegen mangelnder Umsetzung der Netzentgeltreduzierungen für Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen (2026-05-28)
  4. Bundesnetzagentur: Konsultation zur Reform der Netzentgeltsystematik Strom (2026-08-06)
  5. t-online: Netzentgelte 2027, Strompreise könnten spürbar ansteigen (2026-07-27)
  6. Bundesregierung: Niedrigere Netzentgelte (2026-09-03)
  7. Bundesnetzagentur: Halbjährliche Erhebung im Messwesen (2026-09-21)
  8. Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung (2026-09-28)

Fakten geprüft am 29. September 2026.

Häufige Fragen

Wird Gas in diesem Winter knapp?
Die Bundesnetzagentur bezeichnet die Versorgung am 28. September 2026 als stabil und gesichert. Die Speicher sind mit 57,4 % allerdings deutlich weniger gefüllt als in den Vorjahren, und es gilt weiter die Frühwarnstufe. Die Behörde rät zu sparsamem Umgang mit Gas, auch wegen der hohen Preise.
Steigen die Netzentgelte 2027?
Wahrscheinlich leicht. Der Bundeszuschuss sinkt von 6,5 auf 5,525 Milliarden Euro im Jahr. Verivox schätzt für einen Haushalt mit 4.000 kWh rund 12 € Mehrkosten im Jahr. Die vorläufigen Netzentgelte erscheinen bis Mitte Oktober.