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Ökostrom-Vergleich: Woran Sie echten Ökostrom erkennen und was er mehr kostet

Fast jeder Tarif heißt Ökostrom. Was Herkunftsnachweise belegen, welche Labels die Verbraucherzentrale empfiehlt und wie Sie Ihre Stromkennzeichnung lesen.

Wer heute einen Stromtarif sucht, findet kaum noch einen ohne grünes Blatt im Logo. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur bezogen 2023 bereits 57,1 Prozent aller Haushalte Ökostrom. Gleichzeitig schreibt die Verbraucherzentrale, dass die meisten Ökostromtarife bei der Energiewende gar nicht helfen. Beides stimmt. Dieser Ratgeber erklärt, warum, und woran Sie Tarife erkennen, die mehr tun als ein Etikett zu kleben.

Was „Ökostrom“ rechtlich bedeutet

Physikalisch kommt bei jedem derselbe Strom aus der Steckdose, nämlich der Mix im Netz Ihrer Region. Ökostrom ist eine bilanzielle Zuordnung. Damit ein Anbieter eine Kilowattstunde als Ökostrom verkaufen darf, muss er dafür einen Herkunftsnachweis entwerten. Das Umweltbundesamt führt seit Januar 2013 das Herkunftsnachweisregister. Ein Nachweis steht für genau eine Megawattstunde aus erneuerbaren Energien, erzeugt an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Nach der Entwertung ist er verbraucht; so ist ausgeschlossen, dass dieselbe Strommenge zweimal als grün verkauft wird.

Der Haken steckt im Doppelvermarktungsverbot. Strom aus Anlagen, die eine EEG-Förderung bekommen, erhält keine Herkunftsnachweise, denn er wird bereits von allen Stromkunden gemeinsam bezahlt und ihnen auf der Rechnung anteilig zugerechnet. Nachweise gibt es in Deutschland nur für ungeförderte Erzeugung. Das waren laut Umweltbundesamt zuletzt gerade 11,4 Prozent des erneuerbaren Stroms. Die Nachfrage nach Ökostrom ist aber hoch. Also kaufen die Anbieter Nachweise im Ausland, laut Verbraucherzentrale vor allem aus Norwegen und Österreich, meist aus alten Wasserkraftwerken.

Diese Nachweise kosten nach Angaben der Verbraucherzentrale nur den Bruchteil eines Cents pro Kilowattstunde. Deshalb können Ökostromtarife billiger sein als Graustromtarife. Sie verschieben aber nur eine Eigenschaft von einem Kunden zum anderen. Es entsteht keine einzige neue Kilowattstunde aus Wind oder Sonne. Dem Klima, so die Verbraucherzentrale, hilft das nicht.

Die Stromkennzeichnung auf Ihrer Rechnung lesen

Was Ihr Anbieter tatsächlich liefert, steht auf der Jahresrechnung. § 42 EnWG verpflichtet jeden Lieferanten, den Energieträgermix seiner Produkte anzugeben: Kernkraft, Kohle, Erdgas, sonstige fossile Energieträger, erneuerbare Energien mit Herkunftsnachweis und, getrennt davon, „Erneuerbare Energien, finanziert aus der EEG-Umlage“. Dazu kommen die Kohlendioxidemissionen und der radioaktive Abfall pro Kilowattstunde sowie der Bundesdurchschnitt zum Vergleich. Das Umweltbundesamt beschreibt die übliche Darstellung als drei bis vier Kreisdiagramme.

Seit 2023 muss der Anbieter bei erneuerbarem Strom mit Herkunftsnachweis zusätzlich angeben, in welchen Staaten er erzeugt wurde. Steht dort „Norwegen 100 Prozent“, wissen Sie, was Sie gekauft haben. Steht dort Deutschland und ein deutscher Windpark mit Namen, ist das ein gutes Zeichen. Wo Sie die Angaben auf der Rechnung finden, zeigen wir in unserer Rechnungshilfe.

Woran ein Tarif mit Zusatznutzen zu erkennen ist

Ein Ökostromtarif hilft dem Ausbau nur, wenn Geld aus Ihrer Rechnung in neue Anlagen oder Energiewende-Projekte fließt und der Anbieter nicht zugleich an Kohle- oder Atomkraftwerken verdient. Genau das prüfen zwei Labels, die die Verbraucherzentrale empfiehlt.

Das Grüner Strom Label ist das älteste deutsche Ökostromsiegel. Getragen wird es von sechs Umwelt- und Verbraucherverbänden, darunter BUND, NABU, Deutscher Naturschutzring, IPPNW, Verbraucher Initiative und EUROSOLAR. Der Kriterienkatalog verlangt 100 Prozent erneuerbare Energie und einen festen Förderbetrag je Kilowattstunde, der in neue Anlagen und Energiewende-Projekte fließt. Für Privatkunden sind das mindestens 0,5 Cent netto pro Kilowattstunde; für größere Verbraucher gelten gestaffelt 0,4, 0,2 und 0,1 Cent. Unternehmen, die ein Atomkraftwerk betreiben oder an einer Betreibergesellschaft beteiligt sind, bekommen das Label nicht. Für Kohlekraftwerke gilt dieselbe Regel, mit Ausnahmen für Minderheitsbeteiligungen ohne bestimmenden Einfluss.

Das ok-power-Siegel vergibt der gemeinnützige Verein EnergieVision, hinter dem unter anderem das Öko-Institut steht. Verlangt werden 100 Prozent Strom aus Wind, Sonne und Wasser, der Ausschluss von wesentlichen Beteiligungen an Atom-, Braunkohle- und neuen Steinkohlekraftwerken sowie faire Vertragsbedingungen, etwa keine Vorkasse und keine Mindestabnahmemengen. Den Beitrag zur Energiewende können die Anbieter über verschiedene Modelle leisten, zum Beispiel über Strom aus ungeförderten Neuanlagen oder über Investitionen in neue Anlagen. Utopia nennt als Untergrenze 0,3 Cent pro Kilowattstunde.

Daneben gibt es Zertifikate von TÜV Süd und TÜV Nord. Sie prüfen die Herkunft und teils einen Anteil aus Neuanlagen, verlangen laut Utopia aber keinen vollständigen Ausschluss fossiler oder nuklearer Beteiligungen. Utopia bewertet sie als „empfehlenswert mit Einschränkungen“. Ein Anbieter kann außerdem gute Arbeit leisten, ohne ein Label zu bezahlen. Dann müssen Sie selbst nachsehen: Wem gehört das Unternehmen, welche Kraftwerke besitzt es, baut es neue Anlagen, und steht das nachprüfbar auf der Website?

Was echter Ökostrom mehr kostet

Weniger, als viele denken. Die Verbraucherzentrale rechnet mit höchstens etwa 1 Cent pro Kilowattstunde für die Förderkomponente. Bei einem Durchschnittshaushalt sind das rund 30 € im Jahr. Bei 4.000 kWh, dem Verbrauch, mit dem wir auf dieser Seite rechnen, wären es bei 0,5 Cent etwa 20 €, bei 1 Cent etwa 40 €. Zum Vergleich: Der Unterschied zwischen einem Grundversorgungstarif und einem günstigen Neukundentarif liegt für denselben Haushalt oft im dreistelligen Bereich.

Daraus folgt eine einfache Reihenfolge. Zuerst aus der Grundversorgung oder einem alten, teuren Vertrag heraus. Dann unter den günstigen Tarifen einen mit Label oder nachprüfbarer Investitionszusage wählen. Tarife für Ihre Postleitzahl sehen Sie auf unserer Vergleichsseite; Partnerlinks sind dort als solche gekennzeichnet. Wie der Wechsel abläuft und warum der Strom dabei nie ausfällt, erklärt unser Ratgeber Stromanbieter wechseln.

Zu einigen Anbietern, die seit Jahren ausschließlich Ökostrom verkaufen, haben wir die Vertragsbedingungen in Profilen zusammengefasst: Polarstern, naturstrom und Green Planet Energy. Ob diese Tarife für Sie günstig sind, hängt von Ihrem Netzgebiet ab; eine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter geben wir nicht.

Ökogas und „klimaneutrales“ Gas

Beim Gas ist die Lage schwieriger. Biomethan gibt es nur in begrenzten Mengen, und es stammt laut Verbraucherzentrale oft aus Energiemais, der mit der Lebensmittelerzeugung um Flächen konkurriert. Viele Ökogastarife mischen deshalb weniger als 10 Prozent bei. Das Grüner Strom Label vergibt ein eigenes Grünes-Gas-Label, das mindestens 10 Prozent Biogasanteil verlangt.

Tarife, die „klimaneutral“ heißen, kompensieren die Emissionen in der Regel über Klimaschutzprojekte. Deren Wirkung lässt sich nach Einschätzung der Verbraucherzentrale kaum prüfen; sie rät von solchen Angeboten ab. Wasserstoff aus Überschussstrom spielt mit rund 20 Versuchsanlagen in Deutschland noch keine Rolle für Haushalte.

In drei Schritten zum passenden Tarif

  1. Nehmen Sie Ihre letzte Jahresrechnung und lesen Sie die Stromkennzeichnung: Wie hoch ist der Anteil mit Herkunftsnachweis, aus welchem Land stammt er, wie viel ist nur EEG-Anteil?
  2. Vergleichen Sie Tarife ohne eingerechneten Bonus und mit mindestens zwölf Monaten Preisgarantie. Filtern Sie nach Ökostrom und prüfen Sie bei den günstigsten, ob ein Grüner Strom Label oder ok-power-Siegel dabei ist.
  3. Schließen Sie online ab, der neue Anbieter kündigt den alten Vertrag. Tragen Sie das Ende der Preisgarantie in unsere Vertragserinnerung ein, damit Sie in einem Jahr wieder vergleichen.

Wer selbst Strom erzeugen will, statt ihn grün einzukaufen, findet die Zahlen zu Kosten und Rendite im Ratgeber Photovoltaik 2026.

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Hintergrundwissen Ökostrom und Stromkennzeichnung (Stand 04.05.2026) (2026-10-06)
  2. Umweltbundesamt: Herkunftsnachweisregister (HKNR) (2026-10-06)
  3. § 42 EnWG: Stromkennzeichnung (2026-10-06)
  4. Verbraucherzentrale: Ist ein Tarif mit Ökostrom und Ökogas überhaupt sinnvoll? (Stand 24.10.2024) (2026-10-06)
  5. Grüner Strom Label e.V.: Kriterienkatalog Grüner Strom 2021 (PDF) (2026-10-06)
  6. Grüner Strom Label e.V.: Startseite und Trägerverbände (2026-10-06)
  7. EnergieVision e.V.: Das ok-power-Siegel (2026-10-06)
  8. Utopia: Ökostrom-Label und Siegel im Vergleich (06.09.2025) (2026-10-06)

Fakten geprüft am 8. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Ist Ökostrom teurer als normaler Strom?
Nicht zwingend. Viele Ökostromtarife sind günstig, weil europäische Herkunftsnachweise laut Verbraucherzentrale nur Bruchteile eines Cents pro Kilowattstunde kosten. Tarife mit Label, die Geld in neue Anlagen stecken, kosten höchstens etwa 1 ct/kWh mehr, bei einem Durchschnittshaushalt rund 30 € im Jahr.
Kommt bei mir dann wirklich grüner Strom aus der Steckdose?
Nein, physikalisch bekommt jeder den Strommix seines Netzgebiets. Der Ökostromtarif regelt nur, welche Erzeugung Ihnen bilanziell zugerechnet wird. Entscheidend ist deshalb, ob Ihr Geld den Ausbau erneuerbarer Energien fördert.
Welche Ökostrom-Labels empfiehlt die Verbraucherzentrale?
Das Grüner Strom Label, getragen unter anderem von BUND und NABU, und das ok-power-Siegel des Vereins EnergieVision. Beide verlangen 100 Prozent erneuerbare Energie, schließen Beteiligungen an Atom- und Kohlekraftwerken aus und fordern einen nachweisbaren Beitrag zur Energiewende.
Was ist ein Herkunftsnachweis?
Eine elektronische Urkunde des Umweltbundesamts über eine Megawattstunde Strom aus erneuerbaren Energien. Verkauft ein Anbieter Ökostrom, muss er für jede gelieferte Megawattstunde einen Nachweis im Register entwerten. So kann dieselbe Kilowattstunde nicht zweimal als Ökostrom verkauft werden.
Lohnt sich Ökogas?
Mit Vorsicht. Biomethan ist knapp und stammt oft aus Energiemais; viele Tarife mischen weniger als 10 Prozent bei. Von Tarifen, die nur Emissionen kompensieren, rät die Verbraucherzentrale ab, weil sich die Wirkung kaum prüfen lässt.