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Ökostromanbieter im Vergleich 2026: LichtBlick, Polarstern, naturstrom und andere

Sechs Ökostromanbieter nach Herkunft, Siegel und Förderbeitrag verglichen: LichtBlick, Polarstern, Tibber, Octopus, naturstrom, Green Planet Energy. Mit Checkliste.

Fast jeder Stromtarif in Deutschland heißt inzwischen Ökostrom. Für Haushalte, die mit ihrer Stromrechnung tatsächlich etwas bewegen wollen, ist das eher ein Problem als eine Hilfe. Dieser Vergleich stellt sechs Anbieter nebeneinander, die seit Jahren mit grünem Strom werben, und zeigt, worin sie sich unterscheiden: Herkunft, Siegel, Förderbeitrag und Tarifmodell. Eine Rangliste gibt es nicht. Welcher Anbieter zu Ihnen passt, entscheiden Ihre Prioritäten und der Preis an Ihrer Adresse.

Transparenzhinweis: LichtBlick, Polarstern, Tibber und Octopus Energy sind Partner von Switchly, naturstrom und Green Planet Energy nicht. Wechseln Sie über einen gekennzeichneten Partnerlink, erhalten wir eine Provision. Die Angaben unten stammen von den Seiten der Anbieter und der Siegelvergeber, Stand 9. Oktober 2026.

Was „echter Ökostrom“ bedeutet

Ein Anbieter darf Strom als Ökostrom verkaufen, wenn er dafür Herkunftsnachweise entwertet. Das Umweltbundesamt beschreibt einen Herkunftsnachweis als elektronisches Dokument, „vergleichbar mit einer Geburtsurkunde“: Energieträger, Anlage, Standort und Erzeugungszeitraum. Der Haken: In Deutschland bekommen nur Anlagen ohne EEG-Förderung solche Nachweise. Das waren laut Umweltbundesamt zuletzt rund 11,4 Prozent des Stroms. Der große Rest wird importiert, aus der EU, dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Energiegemeinschaft.

Diese Nachweise kosten laut Verbraucherzentrale bislang nur Bruchteile eines Cents pro Kilowattstunde. Deshalb kann Ökostrom billiger sein als Graustrom. Am Ende gibt es aber genauso viel grünen und grauen Strom wie vorher, schreibt die Verbraucherzentrale. Für die Energiewende zählt deshalb nicht das Wort Ökostrom, sondern zwei Fragen: Fließt Geld aus Ihrer Rechnung in neue Anlagen? Und verdient der Anbieter nebenbei an Kohle- oder Atomkraftwerken?

Ausführlich erklärt das unser Ratgeber Echten Ökostrom erkennen.

Die Siegel: Grüner Strom und EnergieVision

Die Verbraucherzentrale nennt zwei Siegel, die über die bloße Herkunft hinausgehen: das Grüner Strom Label der Umweltverbände und das ok-power-Label. Letzteres heißt inzwischen EnergieVision-Siegel und wird vom gleichnamigen Verein vergeben. Beide schließen Anbieter mit wesentlichen Beteiligungen an Atom- oder Braunkohlekraftwerken aus.

EnergieVision verlangt 100 Prozent Strom aus Wind, Sonne und Wasser und faire Vertragsbedingungen. Den zusätzlichen Beitrag zur Energiewende können Anbieter auf verschiedenen Wegen leisten, etwa über Strom aus neuen ungeförderten Anlagen oder über Investitionen in neue Anlagen. In der Anbieterliste steht bei jedem Unternehmen, nach welchem Kriterium es zertifiziert ist, zum Beispiel „Beschaffung“ oder „Beschaffung und Investition“. Das lohnt einen Blick.

Ein TÜV-Zertifikat ist etwas anderes. Es ist kein Siegel der Umwelt- und Verbraucherverbände, und was genau geprüft wird, hängt vom einzelnen Zertifikat ab. Die Verbraucherzentrale nennt es nicht unter ihren Empfehlungen.

Sechs Anbieter im Vergleich

AnbieterHerkunft laut AnbieterSiegel laut Anbieter oder SiegellisteFörderbeitrag
naturstrom100 % deutscher Ökostrom aus Sonne, Wind und WasserGrüner Strom Label, TÜV Nord1 Cent pro kWh für Energiewende-Projekte
Polarsternkomplett in Deutschland erzeugt, Wasser, Sonne, WindGrüner Strom Label, TÜV Nord1 Cent pro kWh für den Ausbau in Deutschland, dazu 20 € im Jahr für Projekte in Kambodscha und Madagaskar
Green Planet EnergyAnlagen in Deutschland und Österreich, Wind, Sonne, Wasser, keine BiomasseEnergieVision (Beschaffung und Investition), Grüner Strom Labelin Cent nicht angegeben
LichtBlickHerkunftsnachweise aus Deutschland, für Neukunden aus Wind und SolarTÜV-Siegelnicht angegeben
Octopus Energy100 % erneuerbarEnergieVision (Beschaffung)nicht angegeben
Tibber100 % erneuerbar mit Zertifikaten, Herkunftsländer im Text nicht genanntkeines genanntnicht angegeben

Ein paar Erläuterungen dazu.

naturstrom aus Düsseldorf gehört über 1.800 Aktionärinnen und Aktionären und keinem Konzern. Der Haushaltstarif ist laut Website monatlich kündbar und hat eine Preisgarantie bis 31. Dezember 2027. Die Vertragsbedingungen stehen im Profil von naturstrom.

Polarstern aus München ist inhabergeführt und nennt sich Social Business. Es gibt Ökostrom Klassik ohne Laufzeit, Komfort mit 12 und Komfort Plus mit 24 Monaten sowie den flexiblen Tarif Flex. Ohne Mindestlaufzeit kündigen Sie mit vier Wochen Frist. Mehr im Profil von Polarstern.

Green Planet Energy ist eine Genossenschaft mit mehr als 50.000 Mitgliedern, 1999 von Greenpeace gegründet. Biomasse und Börsenstrom schließt sie aus. Neben einem variablen Tarif mit monatlicher Preisanpassung gibt es einen dynamischen Tarif. Details im Profil von Green Planet Energy.

LichtBlick aus Hamburg gehört zum niederländischen Versorger Eneco. Bemerkenswert ist die deutsche Herkunft der Nachweise. Tarife und Biogas-Angebote stehen in unserem LichtBlick-Überblick.

Octopus Energy ist die deutsche Tochter einer britischen Gruppe und bekannt für Tarife rund um Wärmepumpe und E-Auto. Mehr im Octopus-Faktencheck.

Tibber ist ein norwegischer Anbieter, dessen Kern der dynamische Tarif ist; daneben gibt es einen Festpreistarif. Die Bedingungen stehen im Profil von Tibber.

Die Tabelle gibt wieder, was die Anbieter selbst angeben oder was in der Siegelliste von EnergieVision steht. „Nicht angegeben“ heißt nur, dass wir auf den geprüften Seiten keine Zahl gefunden haben. Fragen Sie im Zweifel nach.

Preise für Ihren Verbrauch vergleichen

Ökostrom mit Zusatznutzen kostet weniger mehr, als viele erwarten. Die Verbraucherzentrale rechnet mit höchstens etwa 1 Cent pro Kilowattstunde für den Förderanteil, oft weniger. Für einen Durchschnittshaushalt sind das rund 30 € im Jahr, bei 0,2 Cent etwa 6 €. Bei 4.000 kWh und 1 Cent wären es 40 €.

Größer sind die Unterschiede, die gar nichts mit Ökostrom zu tun haben: Grundpreis, Arbeitspreis und Netzgebiet. Rechnen Sie deshalb so:

Jahreskosten = Grundpreis pro Monat × 12 + Arbeitspreis × Jahresverbrauch

Nehmen Sie den echten Verbrauch von Ihrer letzten Rechnung, nicht einen Durchschnittswert. Lassen Sie den Neukundenbonus weg und rechnen Sie auch das zweite Jahr. Ein Tarif mit niedrigem Bonus und niedrigem Arbeitspreis ist nach zwei Jahren oft günstiger als einer mit hohem Bonus. Wo die Zahlen auf Ihrer Abrechnung stehen, zeigt unser Rechnungs-Check. Tarife für Ihre Postleitzahl sehen Sie auf der Vergleichsseite; Partnerlinks sind dort gekennzeichnet.

Neutrale Checkliste vor dem Wechsel

  1. Preis zuerst: Gesamtkosten für Ihren Verbrauch und Ihre Postleitzahl, ohne Bonus, für zwölf und für 24 Monate.
  2. Siegel prüfen: Grüner Strom Label oder EnergieVision? Bei EnergieVision: nach welchem Kriterium?
  3. Herkunft prüfen: Stromkennzeichnung lesen. Seit 2023 muss dort stehen, aus welchen Ländern die Herkunftsnachweise kommen.
  4. Eigentümer prüfen: Gehört der Anbieter zu einem Konzern, der auch Kohle- oder Atomstrom erzeugt?
  5. Vertrag prüfen: Laufzeit, Kündigungsfrist, Dauer und Umfang der Preisgarantie.
  6. Tarifmodell wählen: Festpreis oder dynamisch? Ein dynamischer Tarif lohnt sich vor allem mit Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher, siehe Dynamischer Stromtarif.
  7. Frist notieren: Ende der Preisgarantie in die Vertragserinnerung eintragen.

Der Wechsel selbst kostet nichts, der neue Anbieter kündigt den alten Vertrag, und der Strom fällt nicht aus. Den Ablauf erklärt der Ratgeber Stromanbieter wechseln.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Ist ein Tarif mit Ökostrom und Ökogas überhaupt sinnvoll? (Stand 24.10.2024) (2026-10-09)
  2. Umweltbundesamt: Hintergrundwissen Ökostrom und Stromkennzeichnung (aktualisiert 04.05.2026) (2026-10-09)
  3. EnergieVision e.V.: Kriterien und zertifizierte Anbieter (ehemals ok-power) (2026-10-09)
  4. naturstrom: Ökostromtarif naturstrom (2026-10-09)
  5. Polarstern: Wirklich Ökostrom (2026-10-09)
  6. Green Planet Energy: Ökostrom (2026-10-09)
  7. LichtBlick: ÖkoStrom-Tarife (2026-10-09)
  8. Tibber: Energieträgermix (2026-10-09)

Fakten geprüft am 9. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Welcher Ökostromanbieter ist der beste?
Das lässt sich nicht allgemein sagen. Es hängt davon ab, was Ihnen wichtig ist: Herkunft aus Deutschland, ein Siegel mit Förderbeitrag, ein dynamischer Tarif oder der niedrigste Preis an Ihrer Adresse. Vergleichen Sie zuerst den Preis für Ihren Verbrauch und prüfen Sie dann bei den günstigen Angeboten Siegel und Herkunft.
Welche Ökostrom-Siegel sind aussagekräftig?
Die Verbraucherzentrale nennt das Grüner Strom Label und das ok-power-Label, das inzwischen EnergieVision heißt. Beide verlangen 100 Prozent erneuerbaren Strom und schließen Anbieter mit wesentlichen Beteiligungen an Atom- oder Braunkohlekraftwerken aus.
Was kostet echter Ökostrom mehr?
Laut Verbraucherzentrale höchstens etwa 1 Cent pro Kilowattstunde für die Förderung neuer Anlagen, oft weniger. Für einen Durchschnittshaushalt sind das rund 30 € im Jahr, bei 0,2 Cent etwa 6 €.
Kommt beim Ökostromanbieter grüner Strom aus meiner Steckdose?
Nein. Physikalisch bekommen alle den Strommix ihres Netzes. Der Tarif bestimmt, welche Erzeugung Ihnen zugerechnet wird und wohin Ihr Geld fließt.
Woran sehe ich, woher mein Ökostrom stammt?
An der Stromkennzeichnung auf der Rechnung oder der Website des Anbieters. Seit 2023 muss dort stehen, aus welchen Staaten die Herkunftsnachweise kommen.